Veranstaltungsbericht: „Stille. Erinnern an die Ermordung der letzten Sinti und Roma in Auschwitz-Birkenau 1944“ am 2. August 2018

/, Aktuell, Wissen & Politik/Veranstaltungsbericht: „Stille. Erinnern an die Ermordung der letzten Sinti und Roma in Auschwitz-Birkenau 1944“ am 2. August 2018

Veranstaltungsbericht: „Stille. Erinnern an die Ermordung der letzten Sinti und Roma in Auschwitz-Birkenau 1944“ am 2. August 2018

Wie bereits in den vergangen Jahren luden die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, der RomaTrial e.V. sowie weitere Partner auch an diesem 2. August, anlässlich des 74. Jahrestages der „Liquidation des Zigeunerfamilienlagers“ in Auschwitz-Birkenau, zu einer Gedenkstunde am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas ein.

Unter dem Titel „Stille“ sprachen Dr. Ulrich Baumann, stellvertertender Direktor der Stiftung Denkmal, Sawsan Chebli, Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund und Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales, die Auschwitzüberlebende Zilli Schmidt und die Bürgerrechtlerin und frühere Vorsitzende des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Baden-Württemberg, Ilona Lagrene, zu den etwa 100 Gästen, unter ihnen Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau. Petra Michalski, Hamze Bytyçi und Ilona Lagrene rezitierten zu Beginn und am Ende der Veranstaltung das Gedicht „Auschwitz“ auf Deutsch und Romanes. Musikalisch begleitet wurde die Gedenkstunde auf der Violine von dem Musiker Daniel Weltlinger.

Zilli Schmidt sprach von ihrer Deportation vom Lager Lety nach Auschwitz-Birkenau und schließlich nach Ravensbrück. Wie sie all diese Lager überlebte, neben ihren Brüdern als Einzige ihrer Familie, und wie sie Vater, Mutter, Schwester, sieben Nichten und Neffen und sogar ihre eigene vierjährige Tochter verlor.

Sie sprach aber auch von der aktuellen politischen Situation in Deutschland und Europa, erwähnte auch die Absicht des italienischen Innenministers Salvini, Roma und Sinti und Italien registrieren zu lassen:

„[…] es sieht nicht so gut aus bei uns in Deutschland, auch in Ausland nicht. Wie ich gehört habe, tun sie jetzt schon die Sinti zählen.“

Auch warnte Zilli Schmidt vor dem falschen Gefühl der Sicherheit und der Stabilität der Demokratie. Sie erinnerte an die Sätze ihres ermordeten Vaters:

„Mein Vater hat immer gesagt: ‚Ach Zilli – oder Mama – die bringen ja nur die Verbrecher weg und nicht mich, ich habe ja nichts gemacht.‘ Das hat mein Vater geglaubt, aber zuletzt war er auch dran, dann hat er gewusst, dass es nicht mehr war.“

Die Rede von Zilli Schmidt anlässlich der Gedenkveranstaltung kann hier in voller Länge nachgelesen werden.

2018-08-06T14:01:00+00:00

Leave A Comment