Anlässlich des ROMADAY 2019 und der nahenden Europawahl stellt das Bündnis für Solidarität mit den Sinti und Roma Europas die Frage, was Sinti und Roma zum brüchigen Europa der Gegenwart zu sagen haben – welche Strategien können sie mit ihren individuellen Biographien und Erfahrungen gegen das sich immer stärker polarisierende Gemeinwesen aufzeigen?

Vom 4. bis zum 8. April 2019 diskutieren Vertreter und Vertreterinnen der seit über 1.000 Jahren in Europa beheimateten Minderheit in einer Reihe von Veranstaltungen ihre Perspektiven auf Europa und erzählen Geschichten von Selbstbehauptung, Zusammenhalt und dem Trotzen gegen gesellschaftliche Widerstände – und auch Geschichten vom Ankommen.

Material zu Unterstützung der Kampagne finden Sie hier

ROMADAY 2019 ist ein Projekt des Bündnisses für Solidarität mit den Sinti und Roma Europas in Zusammenarbeit mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, mit dem RomaTrial e. V. und dem Maxim Gorki Theater/Studio Я. Gefördert durch die Amadeu Antonio Stiftung, die Rosa-Luxemburg-Stiftung und die Stiftung :do.

 

»Ich wollte leben« Zeitzeugengespräch mit Zilli Reichmann, 4. April 2019 I 18.00 Uhr

Botschaft der Tschechischen Republik | Wilhelmstraße 44 | 10117 Berlin

ROMADAY 2019 Zeitzeugengespräch mit Zilli Reichmann ©Foto: Hamze Bytyci

 

Zilli Reichmann, geboren 1924 in Thüringen, überlebte das Konzentrationslager Lety in Böhmen und das sogenannte Zigeunerfamilienlager in Auschwitz-Birkenau. Ihre vierjährige Tochter Gretel, ihre Eltern, die Schwester mit ihren sieben Kindern und zahlreiche weitere Verwandte wurden dort in der Nacht des 2. August 1944 vergast. Zilli wurde am selben Tag zur Zwangsarbeit nach Ravensbrück verschleppt. Zusammen mit ihrer Cousine floh sie aus dem Konzentrationslager, schlug sich zu ihrem Onkel nach Berlin durch und beschaffte sich falsche Papiere, mit denen sie sich bis Kriegsende frei bewegte. Sie lebt in Mannheim. Zilli Reichmann hat bisher nur selten öffentlich über ihr Leben gesprochen.

GRUSSWORT S. E. Tomáš Jan Podivínský, Botschafter der Tschechischen Republik in Deutschland
EINFÜHRUNG Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas
GESPRÄCH Zilli Reichmann mit Jana Mechelhoff-Herezi, Stiftung Denkmal, Leitung Erinnerung an Sinti und Roma

Anschließend Empfang

Um Anmeldung bis 1. April 2019 unter veranstaltungen@stiftung-denkmal.de oder tel. 030-26 39 43-11 wird gebeten.

 

ROMADAY-PARADE, 7. April 2019 I 15.30 Uhr

Simsonweg, S + U Brandenburger Tor

ROMADAY-Parade 2018 ©Foto: Nihad Nino Pušija

 

Kundgebung vor dem Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas und anschließender Umzug zum Maxim Gorki Theater mit Halt am Pariser Platz.

Es sprechen:
– Ferda Ataman, Mitgründerin der »Neuen deutschen Medienmacher« und Sprecherin der »Neuen Deutschen Organisationen«
– Berenice Böhlo, Vorstand des Republikanischen Anwältinnen – und Anwältevereins und Mitinitiatorin des Bündnisses #unteilbar
– Henny Engels, Vorstandsmitglied des Lesben- und Schwulenverbands
– Romeo Franz, Mitglied des Europäischen Parlaments
– Tetiana Storozhko, Roma-Aktivistin aus der Ukraine
– Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas
– Petra Pau, Bundestagsvizepräsidentin
– Karen Taylor, Vorstandsmitglied des Europäischen Netzwerkes gegen Rassismus und politische Referentin für Menschenrechte am Bundestag

»Know. Act. Change.«, 7. April 2019 I 18.00 – 18.45 Uhr

Präsentation des Forum-Theater-Workshops mit jungen Menschen aus Berlin und der Ukraine

Lichtsaal im Maxim Gorki Theater I Am Festungsgraben 2 | 10117 Berlin

Wir schauen an die Grenze Europas: Eine Woche lang begegnen sich junge Menschen, Roma und Nicht-Roma aus Berlin und der Ukraine, um sich mit der historischen und aktuellen Situation von Roma in ihren Ländern auseinanderzusetzen. Auf Grundlage der Methode des Forum-Theaters nach Augusto Boal erarbeiten sie eine Performance. Dabei haben sie die einzigartige Möglichkeit, zunächst im geschützten Rahmen, später öffentlich mit dem Publikum konkrete Strategien gegen Unterdrückungs- und Machtmechanismen zu finden. Im Mittelpunkt stehen die persönlichen Erfahrungen der Teilnehmenden, die – ggf. anonymisiert – dem Publikum präsentiert werden. Im Anschluss an die Präsentation ist das Publikum eingeladen, gemeinsam mit den jungen Schauspielerinnen und Schauspielern selbst Handlungsansätze gegen die dargestellte Diskriminierung und Unterdrückung einzubringen und auszuprobieren.

Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung unter know-act-change@romatrial.org wird gebeten.

ROMADAY 2019 Forum-Theater-Workshop ©Foto: Marko Priske
Now Act Change Meet Up

Das Projekt »KNOW. ACT. CHANGE.« wird von RomaTrial e. V. in Zusammenarbeit mit der Youth agency for the advocacy of Roma culture »ARCA«, dem Kuringa Theater und Gorki X organisiert. Gefördert im Programm »MEET UP! DeutschUkrainische Jugendbegegnungen «der Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft« (EVZ).

 

Musikalische Lesung »Gypsy Reports And Songs From Brexitland« mit anschließendem Gespräch, 7. April 2019 I 19.00 – 20.30 Uhr

Studio ЯI Hinter dem Gießhaus 2 | 10117 Berlin

ROMADAY 2019 Gypsy Reports mit Damian James Le Bas

 

Der Schriftsteller, Filmemacher und Journalist Damian James Le Bas liest aus seinem Bestseller »The Stopping Places. A Journey Through Gypsy Britain«. In seinem Buch geht es um die Lebenswirklichkeiten britischer Roma, die sich u.a. nach dem Volksentscheid für den Brexit schleichend ändern: Die Ablehnung gegen alle, die als »fremd« wahrgenommen werden, wächst. Betroffen sind nicht nur jene Roma, die aus den EU-Ländern nach Großbritannien einwanderten, sondern auch die seit Jahrhunderten hier beheimateten britischen Roma sowie alle anderen rassistisch markierten Gruppen. Anknüpfend an die Lesung führen Damian James Le Bas und Prof. Dr. Iman Attia, Professorin für Critical Diversity Studies an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin, ein Gespräch über Grenzen und Ausgrenzung in Europa aus der rassismuskritischen Perspektive.

Moderation: Isidora Randjelović, Lehrbeauftragte an der Alice-Salomon-Hochschule für Soziale Arbeit und Sozialpädagogik Berlin, Leiterin des feministischen Romani-Archivs »RomaniPhen«
Musik: Riah Knight

Lesung auf Englisch, Gespräch auf Deutsch und Englisch

Kartenvorverkauf ab 1. März 2018 unter (030) 20221-115 I ticket@gorki.de | https://tickets.gorki.de

ROMA ARMEE, 8. April 2019 I 19.30 Uhr

Maxim Gorki Theater, Am Festungsgraben 2, 10117 Berlin | Zum letzten Mal in dieser Spielzeit. Nur noch wenige Tickets verfügbar!

 

In einer Gegenwart, in der Europa droht in Neofaschismen abzudriften, beansprucht eine Gruppe von Schauspieler*innen eine Roma Armee zu Selbstverteidigungszwecken. Eine schnelle Eingreiftruppe zum Kampf gegen strukturelle Diskriminierung, Rassismus und Antiziganismus, aber auch als Emanzipation aus einer internalisierten Opferrolle. Die Schauspieler*innen sind Romnija, Rom und Romani Traveller aus Österreich, Serbien, Deutschland, dem Kosovo, Rumänien, England und Schweden, sie sind auch israelischdeutsch- türkisch-Berliner Gadjé – sprich die Roma Armee ist übernational, divers, feministisch, queer. Initiiert von den Schwestern Simonida und Sandra Selimović tritt sie als kollektive Selbstermächtigung im Gorki in künstlerische Aktion mit Hausregisseurin Yael Ronen: Im gemeinsamen Rechercheprozess werden persönlich gefasste Erfahrungen, historische Kontaminationen und aktuelle Vorfälle erkundet, woraus ein Theaterstück entwickelt wird. Zusammen mit den bildenden Künstler*innen Delaine und Damian Le Bas aus England entwerfen sie eine Vision für ein Safe European Home in Gypsyland Europa, wie die Le Bas’ es nennen.

Von: Yael Ronen und Ensemble
Regie: Yael Ronen
Nach einer Idee von: Sandra Selimović, Simonida Selimović
Bühne: Heike Schuppelius
Malerei & Artwork: Damian Le Bas, Delaine Le Bas
Kostüme: Maria Abreu, Delaine Le Bas
Musik: Yaniv Fridel, Ofer Shabi
Video: Hanna Slak, LUKA UMEK
Licht: Hans Fründt
Dramaturgie: Irina Szodruch
Mit: Mehmet Ateşçi, Hamze Bytyci, Mihaela Dragan, Riah May Knight, Lindy Larsson, Orit Nahmias, Sandra Selimović, Simonida Selimović

Kartenvorverkauf ab 1. März 2018 unter (030) 20221-115 I ticket@gorki.de | https://tickets.gorki.de

 

KONZERT UND PARTY: AMOS BAND & DJ MAKY, 8. April 2019 I 21.30 Uhr

Studio ЯI Hinter dem Gießhaus 2 | 10117 Berlin

ROMADAY 2019 Amos und DJ Maky

 

Wir feiern den Abschluss des diesjährigen ROMADAY mit markantem Balkan-Sound von Roma für alle Europäer*innen und Weltbürger*innen. Anschließend Party mit DJ Maky im Foyer des Studio Я

Kartenvorverkauf ab 1. März 2018 unter (030) 20221-115 I ticket@gorki.de | https://tickets.gorki.de