Balkan Onions: Zweiter Jahrgang unter Schirmherrschaft von Petra Pau

Berlin, 03.08.2016

Die Balkan Onions gingen letzte Woche in die zweite Runde: nach Berlin kamen jeweils zehn Teilnehmende aus BalkanOnionsRumänien und aus dem Kosovo, die Workshops über Diskriminierung und Storytelling-, Kamera- und Editing-Workshops absolvierten, das rbb-Studio besuchten, einen Überlebenden der Deportation nach Transnitrien interviewten und eine eigene Performance für die Gedenkveranstaltung am 2. August vorbereiteten, bei der an die 3.000 Roma erinnert wurde, die in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 in Auschwitz-Birkenau ermordet wurden.

Die „Balkan Onions“ sind ein transkulturelles Team, bestehend aus jungen Filmemacher*innen und Filminteressierten aus Deutschland, dem Kosovo und Rumänien. Da die gesellschaftliche Realität, unsere Vorstellungen über die Welt und unser Verständnis von anderen Menschen sowie von uns selbst, unsere Denkmuster und Lebenskonzepte immer stärker von medialen Bildern mitbestimmt werden, die den Alltag regelrecht überfluten, ist es wichtig, dass die mediale Landschaft möglichst demokratisch gestaltet und von unterschiedlichen Medienmachern vertreten wird, die eine Vielfalt von Perspektiven anbieten. Um die Heterogenität der medialen Produktion zu fördern, initiierten die Partner ihre Gruppe „Balkan Onions“, um langfristig eine stabile Kooperation zwischen unterschiedlichen Akteuren in Deutschland und Europa zu etablieren, die durch konkrete Projekte und andere Formen der Zusammenarbeit einen dauerhaften Wissensaustausch und Erfahrungstransfer im Bereich der Vermittlung von Kenntnissen im Bereich der Selbstpräsentation, des Projektmanagements, der Interkulturalität sowie der Ausbildung von jungen Filmemachern ermöglicht.

Die erste Unternehmung der Balkan Onions war die Summer Film School in Prizren, Kosovo, im August 2015 genannt „We are on the same shoot!“, während der innerhalb von 14 Tagen fünf Kurzfilme entstanden sind, die die Lebensrealität der jungen Roma in Prizren aus unterschiedlichen Perspektiven spiegeln. Alle Filme feierten während der Rückbegegnung in Deutschland die Premiere im Rahmen des Filmfestivalls Cottbus im November 2015.

2016 finden weitere zwei Summer Schools unter dem Motto „Putar te akje! Macht die Augen auf!“ und mit dem Fokus auf die historische und aktuelle Ausgrenzung der Roma in Europa statt: vom 28. Juli bis zum 4. August 2016 in Berlin und anschließend bis zum 12. August in Prizren. Eine weitere Begegnung der Gruppe ist bereits jetzt für Mai 2017 in Bukarest geplant.

Ein besonderes Anliegen des Projekts ist es, junge Roma und Romnija nach dem Prinzip „explicit but not exclusiv“ nachdrücklich zur Teilnahme zu ermutigen und sie durch die Netzwerke des RomaTrial e.V. sowie der Internationalen Romani Film Commission aktiv anzusprechen, um der Unterrepräsentation der medialen Stimme dieser Minderheit entgegenzuwirken.

Der Name greift mit Augenzwinkern das Projekt „BIO-KNOBLAUCH ROMANES – ein nachhaltiges ökosoziales Zukunftsprojekt für Roma in Europa“ auf, im Rahmen dessen Berliner Roma-Schüler*innen, „die nicht genügend schulische Vorerfahrung und Sprach-kenntnisse mitbringen“ würden, „um einen regulären Schulabschluss in Deutschland zu erlangen“, durch Pflanzung von Bio-Knoblauch „frühe alternative berufliche Perspektiventwicklung“ erreichen sollten.

Wir sagen: Knoblauch anbauen ist sicherlich eine sinnstiftende Tätigkeit, doch eigene Filme zu drehen macht uns mehr Spaß! Daher wollen wir lieber eine solche medienpädagogische „alternative berufliche Perspektive“ entwickeln und dabei die internationale Zusammenarbeit und das interkulturelle Verständnis fördern  – ohne dabei auf die Tränendrüse drücken zu wollen.

Die diesjährigen Begegnungen in Berlin und Prizren sowie die geplante Begegnung in Bukarest finden mit der freundlichen finanziellen Unterstützung vom Programm „Europeans for Peace“ der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft sowie vom Programm Erasmus+ der Europäischen Kommission. Die Schirmherrschaft über die Balkan Onions übernahm 2016 die Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau.

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